Alpine Welten
Kletterer im Vorstieg an einer senkrechten Kalksteinwand nahe der Alpspitze bei Garmisch.

VOR DEM ERSTEN SCHRITT

Ist Bergführer Dein Beruf?

Bevor Du Dich auf mehrere Jahre Ausbildung einlässt, lohnt eine ehrliche Frage – ganz gleich, in welchem Land Du antreten willst: Passt der Beruf zu Dir? Spitzenalpinist musst Du dafür nicht sein. Gefragt ist ein vielseitiger Allrounder, dem es Freude macht, andere sicher an ihr Ziel zu bringen.

Vier Dinge, die den Alltag prägen

  • Die Tour gehört dem Gast. Du bist selten auf Deinen eigenen Wunschtouren unterwegs, sondern auf denen Deiner Gäste – auch beim zehnten Mal am selben Gipfel mit voller Aufmerksamkeit.

  • Verantwortung für Menschen. Gäste vertrauen Dir ihre Sicherheit an. Risiken einschätzen, entscheiden und rechtzeitig umkehren ist der Kern des Berufs.

  • Lehren und vermitteln. Ein großer Teil ist Didaktik: Techniken erklären, Kurse leiten, Gästen durch Angst und schwierige Passagen helfen.

  • Draußen, mit Eigenverantwortung. Du arbeitest bei jedem Wetter, jenseits fester Bürozeiten, und gestaltest Deine Touren vor Ort selbst – mit allen Freiheiten und aller Verantwortung.

Warum die Hürde so hoch liegt

Ganz klar: Der Eignungstest – je nach Verband auch Eignungsfeststellung oder Aufnahmeprüfung genannt – ist die größte Hürde auf dem Weg zum Berg- und Skiführer. Er verlangt überdurchschnittliches Können und Risikobewusstsein als Allrounder in allen alpinen Disziplinen – egal, in welchem Land Du antrittst.

Der Grund: In der Ausbildung wird Dein persönliches Können nur noch in geringem Maß geschult. Dort lernst Du Führungstechnik, Risikomanagement und Didaktik. Die über Jahre gewachsene Erfahrung in Fels, Eis und Ski bringst Du also mit. Nicht umsonst gilt der Bergführer als „alpiner Zehnkämpfer".

Du willst Bergwanderführer werden? Dort gilt ein anderer, deutlich leichterer Zugang.

Geprüft wird in allen Disziplinen

Die Inhalte ähneln sich überall. Die Schwierigkeitsgrade unten sind eine Orientierung – verbindlich sind die Prüfungskriterien des jeweiligen Verbands. Wie der VDBS die Anforderungen für Deutschland im Detail formuliert, steht zum Aufklappen unter den drei Karten.

Die Anforderungen im Detail – so formuliert sie der VDBS für die Eignungsfeststellung in Deutschland

Fels – Klettern bis 6b+

  • Sportklettern: souveränes und sturzfreies (rotpunkt) Klettern 6a bis 6b+ im Vorstieg mit Kletterschuhen. Routen bis 6c+ können gefordert werden, müssen dann aber nicht rotpunkt durchstiegen werden.

  • Alpinklettern: Klettertechnik und Erfahrung in alpinen Routen (Zustieg, Rucksack) bis 6b (französisch), teils mit vorhandenen Sicherungsmitteln, teils mobil abgesichert – im Kalk wie im Urgestein.

  • Felsparcours: Klettern mit Bergschuhen und Profilsohle im Bereich 5b bis 6a sowie mit Steigeisen im Grad 5a bis 5b, jeweils im Vorstieg.

  • Tourenvorschläge: Die Prüfung findet häufig in den Dolomiten statt – einige Routen sollten sich also im Tourenbericht wiederfinden (z. B. Salbitschijen Südgrat, Badile Nordkante, Große Zinne Nordwand, Tofanapfeiler).

Eis & Kombiniert – bis WI 5+, M6, 80°

  • Eisklettern bis WI 5+: Wasserfallklettern im Vorstieg bei eigener Absicherung; im Mixed-Gelände bis M6 (bei vorhandener Absicherung).

  • Kombinierte alpine Routen 5a–6a: Touren mit Zustieg und alpinem Charakter, mit klassischen Bergschuhen; Fixpunkte teils vorhanden, mit mobilen Sicherungsmitteln zu ergänzen.

  • Eis & Mixed (ED): Steilheit bis 80°.

  • Eisparcours bis 60°: Demonstration der klassischen Pickeltechniken (50°–60°) im Vorstieg und mit Rucksack – Auf-, Abstieg und Querung in Vertikal- und Frontalzackentechnik. Gezeigt werden verschiedene Pickeltechniken wie Führerpickel, Vorhand-, Rückhand-, Schaftzug-, Seitstütz- und Geländerpickeltechnik in unterschiedlichen Geländeformen.

Ski – Technik und hochalpine Skitouren

  • Hochalpine Skitouren: Erfahrung in anspruchsvollen Skitouren im vergletscherten Gelände (z. B. Haute Route, Westalpen-Durchquerungen).

  • Lawine und Spuranlage: logische, dem Gelände angepasste Spuranlage sowie selbstständige Beurteilung der Verhältnisse (Lawine, Wetter, Gelände).

  • Skitechnik: Demonstration verschiedener Skitechniken und Fahrformen, auf und abseits der Piste.

  • Skiparcours auf Zeit: Auf- und Abfellen, verschiedene Aufstiegs- und Spitzkehrentechniken, Gehen mit Harscheisen, Demonstration des Abfahrens mit Fellen.

Der Tourenbericht

Mit Deiner Bewerbung dokumentierst Du Deine alpine Laufbahn in einem Tourenbericht (Tourenbuch). Die Ausbildungskommission prüft ihn, beim Eignungstest wird Deine Erfahrung praktisch bestätigt. Gefordert ist überall mehrjährige Erfahrung als Bergsteiger auf dem verlangten Niveau – in Fels, Eis und auf Ski.

Wie viele Touren in welchem Schwierigkeitsgrad nötig sind, gibt jeder Verband in seiner eigenen Vorlage vor. Nutze immer die aktuelle Vorlage Deines Verbands – sie ist verbindlich.

Tipp: In unserer „Bergführer werden"-Community findest Du Seilpartner und Gleichgesinnte, um Deinen Tourenbericht gezielt zu vervollständigen.

Und: Kein Eintrag ist ein unverhältnismäßiges Risiko wert. Eine Lücke im Tourenbericht lässt sich schließen, ein schwerer Unfall nicht.

So läuft der Einstieg in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol

Für Anmeldung, Zulassung, Ablauf und Ergebnisse ist jeweils der Verband bzw. in Südtirol das Land zuständig. Termine, Fristen und Gebühren veröffentlichen die Verbände jedes Jahr neu – den aktuellen Stand findest Du über die Links.

So trainierst Du auf den Test hin

Die Prüfungsformate unterscheiden sich je Land, die Trainingsprinzipien nicht.

Unsere Vorbereitungskurse

Häufige Fragen zum Eignungstest in der Bergführerausbildung

Wie schwer ist der Eignungstest wirklich?

Er ist bewusst hoch angesetzt. Geprüft wird überdurchschnittliches Können als Allrounder in Fels, Eis und Ski, kein Einsteigerniveau. Mit einer ehrlichen Standortbestimmung und gezielter Vorbereitung ist er aber zu schaffen.

Welches Niveau muss ich mitbringen – was sind die Voraussetzungen?

Grob: Sportklettern um 6b+, alpines Klettern im sechsten Grad mit mobiler Absicherung, Steileis im Bereich WI 5 und Skitechnik auf Skilehrer-Niveau, dazu sicheres Bewegen im Hochgebirge. Die genauen Kriterien unterscheiden sich leicht je Land – maßgeblich sind die Unterlagen Deines Verbands.

Wie unterscheidet sich der Einstieg zwischen den Ländern?

Vor allem im Ablauf. In Deutschland wirst Du über den Tourenbericht zugelassen und legst danach drei Eignungsprüfungen ab. In Österreich gibt es einen Winter- und einen Sommerteil im selben Jahr, der Tourenbericht wird beim Sommerteil besprochen. In der Schweiz verteilt sich die Eintrittsevaluation auf Januar und September und schließt Orientierung ein. In Südtirol wird der Tourenbericht vorab bewertet; nur wer hier positiv abschneidet, tritt zum praktischen Test an – und das nur alle zwei Jahre.

Was passiert, wenn ich eine Teilprüfung nicht bestehe?

Dann ist der Weg nicht vorbei: Nicht bestandene Teile kannst Du in der Regel wiederholen. Wie genau, regelt jeder Verband anders – die aktuell gültige Regel klärst Du am besten direkt mit dem Verband Deiner Wahl.

Wie bereite ich mich am besten vor?

Über Jahre gewachsene Praxis in allen Disziplinen ist durch nichts zu ersetzen – das ist der ehrliche Kern. Ergänzend bieten wir Orientierungs- und Standortbestimmungskurse in Fels, Eis und auf Ski. Auch die Verbände selbst bieten teils Vorbereitungskurse an.

Brauche ich schon eine Zusage, um bei Euch einen Vorbereitungskurs zu machen?

Nein. Unsere Kurse stehen allen offen, die den Weg zum Berg- und Skiführer ernsthaft angehen – gerade, um vor der Anmeldung ehrlich einzuschätzen, ob und wann der Eignungstest realistisch ist.

Kontakt zu den Verbänden

Für alle Fragen zu Anmeldung, Zulassung und Prüfung sind die nationalen Berufsverbände zuständig.

Andere Länder: Alle Mitgliedsverbände weltweit: ifmga.net

Rahmen nach IVBV, Details nach den Ausbildungsseiten von VDBS, VÖBS, SBV und der Südtiroler Bergführer. Termine, Fristen und Gebühren veröffentlichen die Verbände jährlich neu.