Alpine Welten
Zwei Bergsteiger mit Eispickel im Steigeisen an einem steilen Schneehang während der Ausbildung.

Ein internationaler Standard

Der Berg- und Skiführer ist ein international geregelter Beruf. Die IVBV/UIAGM (international IFMGA) setzt für ihre Mitgliedsverbände weltweit den Mindeststandard für Ausbildung, Prüfung und Zertifizierung. Die nationalen Verbände setzen ihn in eigenen Lehrplänen um – Zahl, Länge und Reihenfolge der Kurse unterscheiden sich, das Ziel nicht.

Wer bildet aus?

  • Deutschland – VDBS unter Aufsicht der TU München. Die TUM ist Träger und nimmt die staatliche Prüfung ab, der VDBS bildet mit seinem Lehrteam aus. Rechtsgrundlage ist die bayerische Ausbildungs- und Prüfungsordnung für Fachsportlehrer (BayAPOFspl). Gefördert wird die Bergführerausbildung vom DAV.

  • Österreich – VÖBS mit der Bundessportakademie Innsbruck. Die Landesverbände haben die Ausbildung an ihren Dachverband übertragen. Durch die Zusammenarbeit mit der BSPA ist sie staatlich anerkannt.

  • Schweiz – SBV, modular und berufsbegleitend. Der Schweizer Bergführerverband bietet die Module an. Abschluss ist die eidgenössische Berufsprüfung.

  • Südtirol – Land Südtirol mit der Landesberufskammer. Grundlage ist die Südtiroler Bergführerordnung, ein Landesgesetz. Ausgebildet wird alle zwei Jahre, auf Deutsch und Italienisch.

So ist die Ausbildung aufgebaut

Überall lernst Du Führungstechnik, Risikobeurteilung und Didaktik in Fels, Eis und Ski – mit Lehrgangsprüfungen, die Du bestehen musst. Lehrpläne, Termine und Kosten veröffentlichen die Verbände selbst; die Links führen Dich zum aktuellen Stand.

Deutschland im Detail: die VDBS-Lehrgänge

Die Ausbildung beim VDBS kann mit dem Sommer- oder dem Winterteil beginnen. AL = Ausbildungslehrgang, PL = Prüfungslehrgang. Mit ∗ markierte Kurse sind variabel planbar. Die Technische Universität München (TUM) ist Träger, der Deutsche Alpenverein fördert die Ausbildung jährlich mit rund 90.000 Euro.

Du beginnst im Sommer

  • 1. AL-121 Methodik Fels – 8 Tage, Juli (Sommer)

  • 2. AL-122 Bergrettung – 6 Tage, Juli/Aug. (Sommer)

  • 3. PL-123 Fels Alpin – 13 Tage, Sept. (Sommer)

  • 4. AL-111 Theorie I – 3 Tage, Okt. (Sommer)

  • ∗ PL-141 Skitechnik & Methodik – 7 Tage, Feb. (Winter)

  • 5. AL-142 Lawine – 8 Tage, Jan. (Winter)

  • 6. PL-143 Skitour – 8 Tage, Jan. (Winter)

  • ∗ PL-132 Eisfallklettern – 7 Tage, Feb. (Winter)

  • ∗ AL-144 Variantenlehrgang – 6 Tage, Feb. (Winter)

  • 7. PL-131 Eis/Hochtouren – 14 Tage, Juli (Sommer)

  • 8. AL-112 Theorie II – 4 Tage, Okt.

  • 9. AL-145 Skihochtour – 7 Tage, März (letzter AL)

Du beginnst im Winter

  • 1. AL-142 Lawine – 8 Tage, Jan. (Winter)

  • 2. PL-143 Skitour – 8 Tage, Jan. (Winter)

  • ∗ PL-132 Eisfallklettern – 7 Tage, Feb. (Winter)

  • ∗ PL-141 Skitechnik & Methodik – 7 Tage, Feb. (Winter)

  • 3. AL-121 Methodik Fels – 8 Tage, Juli (Sommer)

  • 4. AL-122 Bergrettung – 6 Tage, Juli/Aug. (Sommer)

  • 5. PL-123 Fels Alpin – 13 Tage, Sept. (Sommer)

  • 6. AL-111 Theorie I – 3 Tage, Okt. (Sommer)

  • 7. AL-112 Theorie II – 4 Tage, Okt.

  • ∗ AL-144 Variantenlehrgang – 6 Tage, Feb. (Winter)

  • 8. AL-145 Skihochtour – 7 Tage, März (letzter AL)

  • 9. PL-131 Eis/Hochtouren – 14 Tage, Juli (Sommer)

Prüfungslehrgänge | PL

Lehrgangsprüfungen (Demo) werden benotet und sind Zulassungsvoraussetzung für die staatliche Prüfung. Bestanden ist der Kurs mit der Note „ausreichend". Die Prüfungen können ab dem nächsten Lehrgang jeweils zweimal wiederholt werden.

Lehrgangsnoten werden auf den Kursen PL-123 Fels Alpin, PL-131 Eis/Hochtouren und AL-144 Variantenskilauf erhoben. Bestanden ist der Kurs mit der Note „ausreichend". Ein Lehrgang muss bestanden oder wiederholt werden, bevor die Ausbildung fortgesetzt werden kann.

Werde Mitglied im Verband Deutscher Berg- und Skiführer

Sobald Du als Kandidat alle drei Eignungsfeststellungsprüfungen bestanden hast, kann eine Mitgliedschaft im VDBS (Verband Deutscher Berg- und Skiführer) beantragt werden. Hier profitierst Du von Partner-Bestellaktionen und – vor allem – kannst Du über den Gruppenvertrag des VDBS eine Berufshaftpflichtversicherung abschließen. Diese ist zwingend nötig, um bereits als Kandidat und später als Aspirant Führungen zu übernehmen.

Führen als Aspirant

Du hast die Prüfungslehrgänge, bei denen Lehrgangsnoten erhoben wurden, alle mit mindestens „ausreichend" abgeschlossen und kommst im Juli frisch vom Kurs PL-131 Eis/Hochtour aus den Westalpen. Nun bist Du voll ausgebildet für Führungen und Ausbildung mit dem kurzen Seil. Es gilt, für die Prüfungen möglichst viel Erfahrung zu sammeln und die geforderten 36 Tage in den Bereichen Fels, Eis/Hochtouren und Ski zu absolvieren. Spätestens jetzt musst Du Dich zwingend um einen Praktikumsplatz bei einem Lehrherren bemühen. Es macht jedoch Sinn, dies bereits in einem sehr frühen Stadium als Kandidat zu tun, um eine hohe Planungssicherheit zu erreichen. Der sehr spannende Teil der Ausbildung beginnt mit Führungen und realen Gästen im gesamten Alpenraum. Es folgen das Praktikum und die staatliche Prüfung zum Bergführer.

Sonderweg für Heeres- und Polizeibergführer

Bist Du Heeresbergführer, kannst Du über den Berufsförderungsdienst der Bundeswehr einen verkürzten Ausbildungsgang zur staatlichen Berg- und Skiführerprüfung gehen. Er steht auch Polizeibergführern offen. Als zusätzlichen Nachweis brauchst Du die bestandene Heeres- bzw. Polizeibergführerprüfung.

  • Keine Pflicht zur Teilnahme an den Ausbildungs- und Prüfungslehrgängen; die Zulassungsvoraussetzungen aus den Lehrgängen entfallen. Nimmst Du trotzdem an Lehrgängen teil, musst Du sie bestehen.

  • Das Praktikum ist verkürzt auf mindestens sechs Tage je Bereich (Fels, Eis/Hochtouren, Ski). Bei Heeresbergführern regelt eine Vereinbarung zwischen dem Berufsförderungsdienst der Bundeswehr und der Berg- und Skischule das Praktikum; sie wird der TUM zur Genehmigung vorgelegt.

  • Die staatliche Prüfung an der TUM legst Du regulär ab, es gelten dieselben Bestehensregeln.

Quelle: BayAPOFspl, Anlage 1, Nr. 7 „Sonderbestimmungen für Heeresbergführer und Polizeibergführer“

Die vier Wege auf einen Blick

Gleiches Ziel, unterschiedliche Struktur.

Welches Land passt zu Dir?

Leichter ist keiner der Wege – das Niveau ist überall gleich hoch. Entscheidend ist, welche Struktur zu Deinem Leben passt.

Bergführer werden

Häufige Fragen zur Bergführerausbildung

In welchem Land ist die Ausbildung am einfachsten?

In keinem. Alle bilden nach dem gemeinsamen IVBV-Standard aus, die Anforderungen sind vergleichbar hoch. Unterschiede gibt es bei Struktur, Kalender, Kosten und Zulassungsvoraussetzungen.

Kann ich mich auch in einem anderen Land ausbilden lassen?

Ja. Bei der Wahl des Ausbildungslandes bist Du frei, unabhängig von Deiner Staatsangehörigkeit. Beachte die landesspezifischen Voraussetzungen – in der Schweiz etwa die abgeschlossene Berufsausbildung und die Zweitsprache, in Südtirol den zweisprachigen Unterricht und den Zweijahres-Rhythmus.

Was kostet die Ausbildung – und wie fördert der DAV?

In Deutschland und Österreich liegen die Kursgebühren im fünfstelligen Euro-Bereich, in der Schweiz deutlich darüber. Für Südtirol gibt die Landesberufskammer Auskunft. Dazu kommen überall Reise, Unterkunft, Verpflegung und Ausrüstung, teils auch Prüfungsgebühren. Die aktuellen Beträge veröffentlichen die Verbände. In Deutschland unterstützt der Deutsche Alpenverein die Bergführerausbildung jährlich mit rund 90.000 Euro – das reduziert die Ausbildungskosten deutlich.

Wie lange dauert die Ausbildung?

Überall rund drei Jahre. Die Verbände legen außerdem Höchstfristen fest, innerhalb derer Du fertig werden musst – die genaue Regel findest Du beim Verband.

Kann ich die Reihenfolge der Kurse selbst wählen?

In Deutschland zum Teil: Du wählst den Einstieg im Sommer oder Winter, einige Lehrgänge sind frei planbar. In Österreich ist die Reihenfolge fest vorgegeben. In der Schweiz bauen die Module aufeinander auf, Du absolvierst sie berufsbegleitend. In Südtirol läuft der Jahrgang in festen Blöcken.

Ab wann sollte ich mich um Praxistage kümmern?

Spätestens wenn Du führen darfst – als Aspirant bzw. Anwärter. Sinnvoll ist es, Dich schon früh zu kümmern. Mehr dazu unter Praktikum.

Kontakt zu den Verbänden

Lehrpläne, Termine und Kosten veröffentlichen die nationalen Berufsverbände.

Andere Länder: Alle Mitgliedsverbände weltweit: ifmga.net

Rahmen nach IVBV, Details nach den Ausbildungsseiten von VDBS, VÖBS, SBV und der Südtiroler Bergführer. Lehrpläne, Termine und Gebühren veröffentlichen die Verbände laufend neu.