Der Glacier-Nationalpark liegt in den Selkirk Mountains im Südosten British Columbias und umfasst rund 1.350 Quadratkilometer. Steile, von Gletschern ausgeschürfte Täler, schroffe Gipfel und ausgedehnte Eisfelder prägen das Hochgebirge. Im Zentrum liegt der Rogers Pass, an dem pazifische Luftmassen auf die Columbia Mountains treffen und enorme Schneemengen abladen. Im langjährigen Mittel fallen hier rund 14 Meter Schnee pro Winter, in besonders schneereichen Jahren wurden sogar mehr als 20 Meter gemessen.
Die Geschichte des Alpinismus begann früh. 1888 kamen die irischen Geistlichen William Spotswood Green und Henry Swanzy zum Glacier House an der gerade eröffneten Eisenbahn und unternahmen von dort aus Besteigungen und Erkundungen in den Selkirks. Ende des 19. Jahrhunderts engagierte die Canadian Pacific Railway Schweizer Bergführer, die Gäste des Glacier House auf Gletscher und Gipfel führten. Der abgelegene Bahnhof mit seinem Berghotel entwickelte sich so zu einer der Wiegen des nordamerikanischen Alpinismus.
Eine Besonderheit verbirgt sich unter den Bergen: In den Nakimu-Höhlen hat Wasser ein verzweigtes System aus Gängen und Schächten in den Kalkstein gegraben. An einigen Wänden findet sich sogenannte „Mondmilch“, ein weicher Kalziumkarbonatbelag, an dessen Entstehung Bakterien beteiligt sind. Der Name Nakimu stammt aus der Sprache der Secwépemc und bedeutet sinngemäß „grollende Geister“ – nach dem Geräusch des Wassers, das unterirdisch durch die Höhlen strömt.