Alpine Welten

E5 Alpenüberquerung: alle Etappen von Oberstdorf nach Meran

Wer „Alpenüberquerung“ sagt, meint meistens ihn: Das Teilstück des Fernwanderwegs E5 von Oberstdorf im Allgäu nach Meran in Südtirol ist der Klassiker unter den Wegen über die Alpen — sieben Tage, rund 75 Kilometer, 4.900 Höhenmeter hinauf und 6.250 hinunter.

Hier findest Du alle sieben Etappen im Detail, mit den ehrlichen Zahlen aus unserem Tourenprogramm: Höhenmeter, Gehzeiten, Hütten und Pässe — inklusive der Stelle, an der unsere Route die Originalführung des E5 verlässt.

Der E5 auf einen Blick

Die Route in Zahlen

7 Tage · ~75 km von Oberstdorf nach Meran — 4.900 Höhenmeter im Aufstieg, 6.250 im Abstieg. Sechs Wandertage über die Allgäuer, Lechtaler und Ötztaler Alpen, der siebte Tag ist die Rückfahrt.

Technisch bleibt alles Bergwandern — keine Kletterstellen, aber lange Tage auf Steigen, Schotter und einzelnen versicherten Passagen.


Beste Zeit

Ende Juni bis September: vorher liegen an den hohen Übergängen wie dem Pitztaler Jöchl oft noch Altschneefelder, danach schließen die Hütten.

E5 Oberstdorf–Meran
J
F
M
A
M
J
J
A
S
O
N
D

Etappe 1: Von Oberstdorf durch die Allgäuer Berge zur Kemptner Hütte

850 Hm Aufstieg · ca. 4 Std · 6 km

Der Einstieg ist bewusst kurz — die meisten reisen am Vormittag in Oberstdorf an. Vom Bahnhof bringt Dich der Bus in die Spielmannsau, dann beginnt der Weg: durch das enge Trettachtal, immer am wild schäumenden Trettachbach entlang, zwischen den steilen Talwänden der Allgäuer Alpen.

Nach rund vier Stunden stehst Du vor der Kemptner Hütte auf 1.846 m — der ersten Hüttennacht der Überquerung.

Gezackter Felsgipfel im Allgäu bei Oberstdorf ragt aus einem Wolkenmeer, herbstliche Berglandschaft.

Etappe 2: Durch die Lechtaler Alpen zur Memminger Hütte

950 Hm auf, 850 Hm ab · ca. 6 Std · 11 km

Zwei Wanderer pausieren bei einer Steinkapelle mit Heiligenbild auf der Bergwanderung E5 durch die Alpen

Hinter der Kemptner Hütte wechselst Du am Mädelejoch (1.974 m) nach Österreich — hier zweigt auch der Heilbronner Weg ab. Der Abstieg führt über Almwiesen und durch Latschenwälder, vorbei am Roßgumpenwasserfall, ins Höhenbachtal und nach Holzgau im Lechtal.

Von Holzgau ins Madautal ist der Taxi-Transfer der übliche E5-Standard — die Straßenkilometer läuft praktisch niemand. Danach warten die letzten knapp 800 Höhenmeter hinauf zur Memminger Hütte (2.242 m), mitten in den Lechtaler Alpen; das Gepäck kann per Materialseilbahn vorausfahren.

Etappe 3: Über die Seescharte ins Inntal — zur Zammer Skihütte

450 Hm auf, 1.900 Hm ab · 7–8 Std · 14 km

Die Königsetappe, und sie beginnt früh: Vom Seewisee steigst Du zur Seescharte (2.599 m) auf. Im Südwesten begleitet Dich dabei die Parseierspitze (3.036 m) — der höchste Gipfel der Nördlichen Kalkalpen.

Dann kippt der Tag: fast 1.900 Höhenmeter Abstieg durch das grüne Lochbachtal, an der Unterlochalm vorbei und über den in den Fels gesprengten Steig am Zammer Loch hinunter nach Zams im Inntal. Übernachtet wird aussichtsreich über dem Tal auf der Zammer Skihütte (Transfer).

Drei Bergwanderer steigen auf grobem Schotterpfad mit Sicherungsseil am Fels in den Alpen ab.

Etappe 4: Vom Pitztal zur Braunschweiger Hütte

1.150 Hm auf, 1.000 Hm ab · 6–7 Std · 13 km

Bergwanderung im Oetztal: Holzterrasse einer Berghütte mit Blick auf felsige und schneebedeckte Gipfel der Ostalpen entlang des E5

Der Morgen beginnt oben: auf dem Krahberg (2.208 m) hoch über dem Inntal. Auf dem Panoramaweg wanderst Du hinunter nach Wenns im Pitztal — der Blick reicht dabei schon zu den ersten schneebedeckten Dreitausendern.

Der Bus bringt Dich ins hinterste Pitztal. Vorbei an einem Wasserfall und der Gletscherzunge des Mittelbergferners steigst Du auf gut angelegtem Steig zur Braunschweiger Hütte (2.759 m) — Übernachtung mitten in der Gletscherwelt.

Etappe 5: Am Pitztaler Jöchl vorbei an den Gletschern nach Vent

300 Hm auf, 1.300 Hm ab · ca. 6 Std · 13 km

Ein ehrliches Detail für alle, die den Weg planen: Ab hier verlässt unsere Route die Originalroute des E5. Über das Pitztaler Jöchl (2.996 m) — oder das sechs Meter niedrigere Rettenbachjoch (2.990 m) — wechselst Du hinüber zum Rand des Ötztals. Noch einmal liegt die ganze Gletscherwelt vor Dir, überragt von der Wildspitze (3.768 m), dem höchsten Berg Tirols.

Der Rest des Tages ist Panorama: über den Höhenweg mit Blick auf die Ötztaler und Stubaier Gipfel hinunter nach Vent — wo nach den Hüttennächten ein Gasthofzimmer wartet.

Hochalpines Tal mit Gletscherbach und vergletschertem Gipfel in den Ötztaler Alpen auf dem E5-Wanderweg.

Etappe 6: Am Similaun nach Südtirol — Abstieg ins Schnalstal

1.200 Hm auf, 1.200 Hm ab · ca. 7 Std · 18 km

Grasbedeckter Alpenhangg mit Felskette und Schneefeldern im Hintergrund auf dem E5 Wanderweg im Sommer.

Das Finale und die längste Etappe: Durch das Niedertal geht es zur Martin-Busch-Hütte und weiter, entlang der Seitenmoräne des Niederjochferners, hinauf zur Similaunhütte auf 3.019 m — dem höchsten Punkt der Woche, am Joch unterhalb des Similaun (3.597 m). Ganz in der Nähe wurde „Ötzi“ gefunden. Hier stehst Du an der Grenze: vor Dir Südtirol, der Blick reicht bis zum Ortler.

Der Abstieg führt steil aus dem Felsgelände hinunter in die Almwiesen und Lärchenwälder von Obervernagt am Vernagt-Stausee im Schnalstal (1.690 m). Die Alpen sind überquert — der Bus fährt Dich durch den Vinschgau nach Meran.

Etappe 7: Rückfahrt von Meran über Bozen nach Oberstdorf

Kein Wandertag mehr: Nach dem Frühstück bringt Dich der Bus von Meran über Bozen zurück nach Oberstdorf — einmal außen um die Berge herum, die Du gerade zu Fuß überquert hast.

Den E5 mit Bergführer gehen

Du kannst den E5 auf eigene Faust gehen — der Weg ist markiert, die Hütten lassen sich reservieren. Wer sich Organisation, Hüttenplätze und Wegfindung abnehmen lassen will, geht die Etappen aus diesem Artikel geführt:

Schwierigkeit

2.2

Anforderung

Kondition
Technik
Ernsthaftigkeit
Alpine Erfahrung

4–8 Std Gehzeit am Tag · bis 1.200 Hm Aufstieg

7 Tage · Allgäuer, Lechtaler und Ötztaler Alpen — die Überquerung aus diesem Artikel, geführt

Genau diese Etappen mit Bergwanderführer: alle Übernachtungen organisiert, Transfers und Gepäcklogistik geregelt, 6 bis 10 Teilnehmer. Termine von Juni bis September.

ab 1.199 € pro Person — inkl. aller Übernachtungen, Führung und Transfers vor Ort

Häufige Fragen zum E5

Wie schwer ist die E5 Alpenüberquerung?

Technisch bleibt der E5 von Oberstdorf nach Meran im Bereich Bergwandern — Kletterstellen gibt es keine. Anspruchsvoll ist die Ausdauer: sechs Wandertage in Folge mit vier bis acht Stunden Gehzeit, Aufstiege bis 1.200 Höhenmeter und an der Königsetappe über die Seescharte fast 1.900 Höhenmeter Abstieg am Stück. Dazu brauchst Du Trittsicherheit auf Schotter und einzelnen versicherten Passagen.

Auf welchen Hütten übernachtet man auf dem E5?

Auf der Route Oberstdorf–Meran sind es vier Hüttennächte: Kemptner Hütte (1.846 m), Memminger Hütte (2.242 m), Zammer Skihütte und Braunschweiger Hütte (2.759 m). Danach folgen ein Gasthof in Vent und ein Hotel in Meran. Auf den Hütten heißt Übernachten Mehrbettzimmer oder Lager — die Entscheidung trifft der Hüttenwirt nach Belegung. Was die Zimmerkategorien auf Berghütten bedeuten, erklären wir im Magazin.

Kann man den E5 ohne Bergführer gehen?

Ja — der E5 ist markiert und gut beschrieben, erfahrene Bergwanderer gehen ihn selbstständig. Der Aufwand steckt in der Organisation: Hüttenplätze müssen früh reserviert werden, die Transfers zwischen den Etappen wollen geplant sein, und an den hohen Übergängen wie dem Pitztaler Jöchl entscheiden Wetter und Altschneelage. Ein Bergwanderführer nimmt Dir genau das ab — Reservierungen, Logistik und die Entscheidung nach Verhältnissen.

Wann ist die beste Zeit für die Alpenüberquerung auf dem E5?

Das Fenster liegt zwischen Ende Juni und September. Vorher liegen an den hohen Übergängen wie dem Pitztaler Jöchl (2.996 m) oft noch Altschneefelder, danach schließen die Hütten entlang der Route. Der Hochsommer ist die verlässlichste Zeit, der September belohnt mit ruhigeren Hütten und klarer Luft.

Portrait von Bergführer Hansi Stöckl für Schneeschuhtouren in Norwegen, blauer Jacke, vor hellem Außenhintergrund.

Geschrieben von

Hansi Stöckl

Geschäftsführer

Veröffentlicht am 01.09.2026 · Lesezeit: 4 min