Der Vatnajökull im Südosten Islands bedeckt heute rund 7.500 km² und ist Europas größte Eiskappe nach Volumen. Zahlreiche Auslassgletscher fließen von dem mächtigen Eisschild in die umliegenden Täler. Unter dem Eis liegen mehrere aktive Vulkansysteme, darunter Grímsvötn, Bárðarbunga und Öræfajökull – eine unmittelbare Verbindung von Vulkanismus und Vergletscherung, die für Island charakteristisch ist.
Mehrtagestouren und Gletscherexpeditionen führen mit Ski, Pulka und Zelt über das weitgehend unbewohnte Hochplateau. Spalten, Sturm, schlechte Sicht und schnelle Wetterwechsel verlangen Erfahrung in Gletschertechnik, Navigation und eigenständiger Versorgung. Das Klima ist trotz der nördlichen Lage stark ozeanisch geprägt und bringt auf den höchsten Teilen der Eiskappe jährlich Niederschlagsmengen von mehr als 5.000 mm.
Seine größte Ausdehnung der vergangenen Jahrtausende erreichte der Vatnajökull gegen Ende des 19. Jahrhunderts, nicht erst 1930. Danach wechselten Phasen starken Rückzugs mit zeitweiligen Vorstößen einzelner Gletscher; seit Mitte der 1990er-Jahre überwiegen deutlich Eisverlust und Rückzug. Alle südlichen Auslassgletscher ziehen sich derzeit zurück, und der Vatnajökull hat innerhalb des vergangenen Jahrhunderts mehr als 15 Prozent seines Volumens verloren.