Teheran und Isfahan auf der Trekkingreise im Iran

Klettern im Iran

Ein Reisebericht von Stefan Lieb!!!

Hochzeitsreise in ein Land, in dem man öffentlich nicht mal Händchen halten darf

wo Frauen Kopftücher tragen müssen? Yes, das ist es!

 

Was macht ein Bergführer wenn er nicht gerade in den Bergen ist?

Na klar, ganz logisch: Er heiratet! Zumindest wenn er soviel Glück hat wie ich. Aber danach beginnen gleich die Schwierigkeiten: Wohin auf Hochzeitsreise? Patagonien? Nepal? Mei, doch ein bisschen schlechtes Wetter bzw. kalt... Da hat die Kathi die rettende Idee: Fahren wir doch in den Iran zum Klettern.

 

Iran? Klettern??? Hochzeitsreise in ein Land, in dem man öffentlich nicht mal Händchen halten darf und Frauen Kopftücher tragen müssen? Yes, das ist es!

Aber wie schauts dort überhaupt mit Klettermöglichkeiten aus? Die Kathi recherchiert gleich mal und findet eine 1200m hohe und 5km breite Wand, angeblich die größte Kalkwand der Welt: die Bisotun Südwand. Wie dem auch sei, groß ist sie jedenfalls. Und noch dazu findet dort ein Kletterfestival statt.

Jetzt ist also die Entscheidung endgültig gefallen. Flugs werden die Flüge gebucht. Unsicher werden wir ein bisschen, als wir unsere tolle Idee herumerzählen: 150 km entfernt von der irakischen Grenze, in ein Land, das doch quasi das Böse (O-Ton westliche Medien) verkörpert?

Ich kann nur sagen: wir sind tatsächlich in die Fänge geraten. In die Fänge unglaublicher Gastfreundschaft. Vom ersten Tag an, an dem wir gleich vom Flughafen abgeholt wurden (obwohl nur der Festival-Organisator wusste, dass wir eine Woche früher ankommen würden) und gleich mal auf eine Tasse Tee nach Hause eingeladen wurden (und dann fünf Tage dort im Kinderzimmer wohnten). Auf der Straße hörten wir alle 10 Meter „Welcome to Iran“, wurden von wildfremden Leuten auf ein Getränk eingeladen. Manchmal war es soviel an Gastfreundschaft, dass wir fast überfordert waren.

Achja: geklettert sind wir auch. Unser erklärtes Ziel war, eine neue Route durch die 1200m hohe Wand zu klettern. Sicher ganz leicht, in der große Wand eine Möglichkeit für eine Erstbegehung zu finden. Die Iraner haben sicher kaum eine Tradition beim Klettern. Dachten wir. Dort wurden schon vor 40 Jahren schwierige Routen durch die Wand erschlossen. Wir hatten jedoch das Glück, Gast bei einem der alten Kletterpioniere zu sein. Mit seinem Sohn und zwei weiteren Freunden gings dann inklusive Mini-Ghettoblaster und Teekocher auf Erkundungstour duch die Wand. „Zu Hause“ bei unseren Gastgebern wurde dann mit unseren iranischen Kletterfreunden eine neue Linie ausgetüftelt, die tatsächlich noch niemand geklettert ist.

 

Mittlerweile startete auch das Kletterfestival. 60 ausländische und 100 einheimische Kletterer nahmen daran teil. Untertags verbrachten wir die nächsten Tage mit der Erschließung unserer Route und am Abend feierten wir – bzw. gaben Interviews fürs iranische Fernsehen: irgendwie konnte keiner glauben, dass wir gerade unsere Hochzeitsreise verbringen.

An den letzten beiden Tagen des Festivals gings dann an den Gesamt-Durchstieg unserer Route. 2 Tage (mit Übernachtung in einer Biwakschachtel, die mitten in der Wand steht) waren wir dafür in der Wand – alles klappte wie am Schnürchen. Nur beim Abstieg (O-Ton Beschreibung „first right then down“ für einen vierstündigen Abstieg ohne Weg), waren wir froh, dass wir diesen zusammen mit einem Iraner und zwei Franzosen gemacht haben. Herausgekommen ist eine 1200m hohe Route in tollem Fels im Schwierigkeitsgrad 6c (7+/8-), die wir „RichRice“ getauft haben (der letzte Teil geht über eine alte klassische Route). Warum wir sie so getauft haben wissen unsere Gastgeber :).

 

Die letzte Woche verbrachten wir dann beim Besuch der alten, wunderschönen Städte Isfahan und Yazd bzw. beim Sportklettern in der Nähe von Teheran. Dort lernten wir wieder iranische Kletterer kennen: was dies bedeutete ist oben 1:1 nachzulesen. Dann mussten wir Abschied nehmen. Abschied nehmen von einem Land mit einem richtig schlechten Ruf (zu Recht, was die Regierung angeht) und zugleich mit Menschen, die uns ob ihrer Gastfreundschaft tief beeindruckt haben. Von einem Land, das in Wirklichkeit komplett anders war als wir es uns vorgestellt hatten – im positiven Sinn. Und von einem Land, das sehr sehr angenehm zu bereisen ist.

 

Auf Wiedersehen – wir kommen wieder!